Der erste Streckenabschnitt führt vom Busterminal bei der Metrostation Colegio de Ingenieros in Caracas ins knapp 300 km entfernte Puerto La Cruz (Terminal von Aeroexpresos im Terminal Conferry, Tel. 0281/267 88 55). Von dort sind Abstecher auf die Isla de Margarita, in den Parque Nacional Mochima, nach Cumaná und auf die Península Paria leicht zu unternehmen.
Der nächste Abschnitt führt über die teilweise vierspurig ausgebaute Straße nach Ciudad Bolívar (300 km, 4,5 Stunden), wo Sie den Orinoco queren. Für Ciudad Bolívar sollten Sie sich ein, zwei Tage Zeit nehmen. Der Busbahnhof liegt etwa 2 km südlich des Zentrums an der Kreuzung Av. República/Av. Sucre. Von hier fahren alle 15 Minuten Busse in die nahe Retortenstadt Ciudad Guayana.
Südlich des Orinoco gelangen Sie in die Provinz Bolívar und in die Pionierzone Venezuelas. Die Ortschaften liegen nun nicht mehr so dicht beieinander, die Kulturlandschaft weicht offener Savanne, später dem Dschungel. Um mehr von der Landschaft zu sehen, sollten Sie einen der langsameren Regionalbusse nehmen, die tagsüber von Ciudad Bolívar nach Santa Elena verkehren und etwa 14 Stunden brauchen.
Die verschlafene Provinzstadt Tumeremo ist der letzte Grenzposten der Zivilisation an der Ruta 10 in den Süden. Von da an nimmt die Vegetation zu, und im nächsten Ort, dem Goldgräberlager El Dorado, einer Ansammlung von Hütten und Schuppen, befinden Sie sich bereits mitten im Dschungel. Ab nun wird auch neu gezählt: Die Abzweigung nach El Dorado gilt als Kilometer Null; bis nach Santa Elena sind es noch 320 km.
Bei km 88 beginnt der kurvenreiche Aufstieg aus dem schwülen Tiefland hinauf auf die Gran Sabana, die immer noch fast unberührte Welt der Tafelberge (tepuis). Das Hochland (800 m im Schnitt) bildet die Wasserscheide zwischen dem Orinocobecken und dem Amazonastiefland. Die offene Savanne, die Tafelberge, die zahlreichen Wasserfälle und die wenigen Dörfer der indianischen Bevölkerung sind faszinierende Erlebnisse.
Mit ein wenig Glück und Initiative lässt sich ein Abstecher zum Salto Aponguao organisieren; mit 105 m Fallhöhe auf einer Breite von 120 m ist er der mächtigste aller Wasserfälle in der Gran Sabana. Rund 40 km weiter, bei km 202, nur 200 m westlich der Straße, befindet sich der Salto Kamá (50 m Fallhöhe), ein kleines Badeparadies. Bei km 237 sollten Sie sich unbedingt die Kaskaden von Quebrada de Pacheco ansehen. Dort ist auch die Übernachtung in einfachen Hütten möglich.
10 km weiter, bei km 247, kreuzt die Straße den Río Yuruaní mit zahlreichen Wasserfällen. Ein besonderes Naturschauspiel bietet sich bei km 273 mit der Quebrada de Jaspe, einem Wasserfall, der durch den felsigen Untergrund eine orangerote Färbung anzunehmen scheint.
Wer tiefer in die Gran Sabana eindringen will, dem seien von Santa Elena aus Exkursionen zur Franziskanermission Kavanayen und in das vom Indianervolk der Pemones betriebene Camp Mantopai empfohlen. Die Region ist nahezu unbewohnt, und entsprechend abenteuerlich gestalten sich die Fahrten. Umso verblüffender dann, die komplett aus Steinen gebaute Mission und das sehr ordentliche, nach europäischen Maßstäben gebaute Dorf zu besuchen, die wie von einem anderen Stern wirken - die Missionare betraten erst 1930 das Pemonesland der Gran Sabana. Das Indianercamp Mantopai breitet sich malerisch am Fuß eines tepui entlang eines Flusses aus. Pemones laden zu Wanderungen in ihre Welt ein. Beides schnürt der renommierte Eric Buschbell (Backpacker-Tours, Tel. 0289/995 15 24, www.backpacker-tours.com) zu einem Paket.
Jeden Morgen fährt von Santa Elena de Uairén aus ein Bus über die Grenze ins brasilianische Boa Vista (Anbindung ans innerbrasilianische Flugnetz; Reisedauer etwa fünf Stunden). Von hier aus besteht Nachtbusverbindung (Fahrzeit rund zwölf Stunden) in die Amazonasmetropole Manaus.
